männerchor wolhusen

 Der Männerchor wünscht einen schönen Sommer

Geschichte

Die Geschichte des Männerchors Wolhusen würde ein ganzes Buch, ja mehrere Bände füllen. Hunderte von Sängern - die meisten von ihnen sind nicht mehr unter uns - haben sich im vorletzten und letzten Jahrhundert und bis heute zusammengefunden, um gemeinsam in froher Kameradschaft zu singen und die Männerchorkultur zu pflegen. Sie alle wüssten unzählige Erlebnisse über unseren Chor zu erzählen, jeder aus einem anderen persönlichen Blickwinkel. Dazu kämen die Erinnerungen all derjenigen, die den Verein geleitet oder präsidiert haben. Und natürlich der Zuhörerinnen und Zuhörer verschiedenster Konzerte aus vielen Jahren. Gar nicht zu reden vom fröhlichen Wettstreit an verschiedensten Gesangsfesten. Die Anekdoten gingen ins Unermessliche... 

Ganz und gar unmöglich ist es darum, eine „vollständige und richtige“ Geschichte unseres Männerchors aufzuschreiben. Darum ist die nachfolgende Kurzgeschichte des Männerchors einfach ein Versuch, zurück zu blicken auf ein reiches kulturelles Wirken in einer der schönsten Ausdrucksweisen des Menschen, dem gemeinschaftlichen Singen. Ein Versuch, anhand von Erinnerungen und Episoden, von herausgepickten „Rosinen“ – süssen und herben -  zurück in die Vergangenheit zu schauen, wo zum Beispiel noch liberal oder konservativ gesungen wurde oder wo die (armen) Sänger nur einmal im Monat nach der Probe eins trinken gehen durften. Steigen wir doch neugierig in die alten Aufzeichnungen ein:


Politisch gefärbter Anfang 1895

Vor der vorletzten Jahrhundertwende existierten in Wolhusen ein Töchterchor, der Cäcilienverein, der Männerchor Wolhusen-Werthenstein und der Grütlimännerchor. Dieser  litt zunehmend an Mitgliederschwund und als schliesslich nur noch Grütlianer - ursprünglich Freisinnige, später Sozialdemokraten - als Sänger genehm gewesen wären, brach der Verein auseinander. Doch der Wunsch, gemeinsam zu singen, war stärker als enges Politdenken, und so wurde nur eine Woche später, am 21. Dezember 1895, der Männerchor Wolhusen gegründet. 

Der Vorstand setzte sich zusammen aus Heinrich Marfurt (zur Krone) als Präsident, Oskar Amrhyn als Vizepräsident und Kassier, Josef Fischer (Gemeindeschreiber) als Aktuar  sowie Josef Steffen und K. Wüest als Beisitzer. Unter der Direktion von Lehrer Eiholzer fand am 11. Januar 1896 die erste Probe statt.


Gesangsfeste und Reise

Im Frühjahr 1896 trat der Chor dem Luzerner Kantonalgesangsverein bei und nahm in Willisau erstmals am Kreisgesangsfest teil. Der erste Konzertauftritt erfolgte im Oktober gleichen Jahres unter Mitwirkung sämtlicher musikalischer Vereine Wolhusens und im Juni 1897 ging das erste Männerchorkonzert über die Bühne. Erstmals vom Reisefieber gepackt,  erfolgte ein dreitägiger Ausflug über Oberalp – Disentis – Sta. Maria – Airolo nach Altdorf. 1900 führte der Männerchor das erste Kantonalgesangsfest durch. Ein Jahr später vereinigten sich die beiden Männerchöre Wolhusen und Wolhusen-Werthenstein.


Berg- und Talfahrt

Der Probenbesuch war sehr schlecht, und weil wiederholt nur drei bis sechs Mitglieder anwesend waren, legte der Direktor sein Amt nieder. Am Kantonalgesangsfest 1903 in Hochdorf erlitten die vereinigten Männerchöre mit dem unheilverkündenden Lied „Wanderers Abschied“ von Storm ein solches Fiasko, dass sie fortan wieder eigene Wege gingen. 


Während des Ersten Weltkrieges geriet das Vereinsleben sozusagen zum Stillstand. Doch bereits 1923 waren wieder 45 Sänger aktiv. Die Jahre 1925 und 1926 sind erwähnenswert, weil damals, wie auch später wieder, ein Bahnhofvorstand den Verein präsidierte und die Weichen stellte.


Schöne Erfolge und politisches Gepolter 

Einen musikalischen Höhepunkt erreichte der Männerchor am Kantonalgesangsfest 1934 in Sursee, wo er mit der Maximalpunktzahl in der 1. Kategorie den Lorbeer 1. Klasse entgegennehmen durfte. Weitere musikalische Erfolge an Gesangfesten verliehen den Sängern die Kraft, die Zeit des Zweiten Weltkrieges ohne Probenunterbruch zu überstehen und 1944 sogar den Kreissängertag zu organisieren. 


Nach einer einfachen Feier zum 50-jährigen Bestehen des Vereins folgten etwas magere Jahre. Die Mitgliederzahlen in den Nachkriegsjahren waren kleiner geworden, nicht zuletzt wegen politischer Differenzen, in deren Folge die Konservativen (heute CVP) einen eigenen Chor gründeten (er lebte nicht lange) und eigentlich nur noch Liberale dem Männerchor Wolhusen angehörten.


Stetiger Aufwärtskurs

In der zweiten Hälfte der 50-er Jahre lockerten sich die politischen Fronten auf, was nicht zuletzt ein Verdienst unseres Ehrenpräsidenten Alois Stöckli war. Die Mitgliederzahlen stiegen wieder, die Proben, welche im alten Schulhaus in den Lokalitäten der heutigen Steuerverwaltung abgehalten wurden, waren wieder besser besucht.
Beim „Kantonalen“ 1960 in Horw erzielte der Chor mit 43 anwesenden Sängern in der Kategorie II (der Verein hat immer in dieser Kategorie gesungen) ein sehr gutes Ergebnis. 1961 war Fahnenweihe. Patensektion war der Männerchor Frohsinn Entlebuch. Als Patenpaar amteten Margrith Hügli und Walter Steffen.


Rege Vereinstätigkeit

In den folgenden zwei Jahrzehnten entwickelte sich eine rege Vereinstätigkeit. So wurden -  mit einer Ausnahme nach dem Krieg wegen Maul- und Klauenseuche –  jährlich Konzerte durchgeführt,  teilweise mit Solisten, zweimal mit dem Orchester aus Malters. Wenn auch eine einmalige Aufführung genügte und der Rösslisaal nicht immer ganz voll war, galt das Männerchorkonzert doch als gesellschaftliches Ereignis - die Damen zeigten sich jeweils in langer Abendrobe.


Etwa alle vier Jahre wurde männiglich vom Reisefieber gepackt. Als besonders schöne Reisen gingen zwei Reisen auf die Riederalp sowie eine Reise nach München, wo auch das Hofbräuhaus besucht wurde, in die Annalen ein. Jeweils einmal im Monat wurde nach der Probe in froher Runde bei Wein und Gesang die Kameradschaft gepflegt. 


Schritt in die moderne Zeit

1983 übernahm die heutige Ehrendirigentin Johanna Imbach-Wey - für eine erste Reihe von Jahren - die musikalische Leitung des Vereins. Unter ihrer Direktion, unter der Ägide der letzten drei Präsidenten und der Regie des leider allzu früh verstorbenen Josef Portmann schrieb der Männerchor Wolhusen von nun an Konzertgeschichte. Die gesanglichen Darbietungen, meistens einem Thema folgend, genügten immer mehr modernen Unterhaltungsanforderungen und zogen ein zahlreiches, interessiertes Publikum in ihren Bann, sodass 1990 erstmals gleich zweimal konzertiert werden durfte. Jedes Jahr fand nun ein Konzert im "Rössli" Wolhusen statt, bald immer als jährliches Doppelpack. 


Geboten wurde hauptsächlich Männerchorliteratur, und stets fand man gemeinsam mit der Chorleiterin mitreissende Themen, die sich wie ein roter Faden durch die jeweiligen Konzerte zogen. Einmal waren es beispielsweise Reisen, ein anderes Mal Studentenlieder. In schöner Erinnerung bleibt die Schweizerreise anlässlich des 700-Jahr-Jubiläums. Tolle Bühnendekorationen trugen das Ihrige zum Erfolg bei.


Nach den Darbietungen spielten Formationen zum Tanz auf, etwa Hans Muff oder die Kapelle Bühler Fischer. Hunderte schwangen jeweils das Tanzbein. Fast lässt sich sagen, mit den Konzerten fegte der Männerchor für ein paar Stunden die Strassen in und um Wolhusen leer. 


Inzwischen war der MC Wolhusen hundert Jahre alt geworden und präsentierte sich insgesamt leicht überaltert. Er beherrschte ein breites Repertoire an gängiger, zum Teil schwerer Chorliteratur und konnte durchaus auch mit einschlägigem Gesang eine Messe verschönern. 1997 gab Johanna Imbach-Wey nach 14 Jahren äusserst erfolgreicher Tätigkeit die musikalische Leitung des Chors ab. 

Die Direktion übernahm René Limacher aus Wolhusen. Er hat an der Musikhochschule Luzern studiert, unterrichtet am Gymnasium Burgdorf Musik und verfügt über vielfältige Erfahrung als Chorleiter in und ausserhalb von Wolhusen. 2016 verlieh ihm die Gemeinde Wolhusen den Anerkennungspreis für besondere Leistungen.


Künstlerische Höhenflüge

Der neue Chordirektor legte das Schwergewicht auf professionellen, möglichst perfekten Gesang. Er ging mit den Sängern an die Leistungsgrenze, was unter anderem zu eindrücklichen Erfolgen an Wettkampfauftritten führte. Dabei halfen jeweils eine Anzahl Gastsänger mit. So trug der verstärkte Chor etwa aus Weinfelden, Hitzkirch und Visp ein "Vorzüglich" nach Hause. (siehe auch Rubrik "Auszeichnungen" auf der Webseite).


Der musikalische Erfolg und das ausgefeilte gesangliche Niveau des Männerchors konnten nicht darüber hinweg täuschen, dass der Verein immer stärker mit Überalterung und Mitgliederschwund zu kämpfen hatte. Trotz aller Bemühungen erwies es sich Jahr für Jahr schwieriger, neue Sänger zu gewinnen. Aus der Absicht hinaus, die vorhandene musikalische "Substanz" des Männerchors zu retten, entstand 2008 die Idee einer Fusion des Chors mit dem Kirchenchor Wolhusen.


Um das "unmögliche" Weiterbestehen des Männerchors Wolhusen möglich zu machen, starteten die überlebenswilligen Sänger mit dem Mut der Verzweiflung eine intensive Mitglieder-Werbeaktion. Es gelang, nicht weniger als zwölf neue Sänger auf einen Streich zu finden. Damit war eine neue Grundlage geschaffen.

Zur Freude der Sänger gelang es, die frühere Chordirektorin Johanna Imbach-Wey nochmals für die Leitung zu gewinnen. Dies war umso bemerkenswerter, als sie eigentlich nach ihrer Dirigententätigkeit beim Kirchenchor Romoos, dem Polizeimännerchor, den Männerchören von Hellbühl, Ebikon, Schenkon, Wolhusen und den Entlebucher Sängern das Dirigieren endgültig an den Nagel gehängt hatte. 


Für "ihre" Wolhuser Sänger machte sie aber eine Ausnahme, griff nochmals zum Dirigentenstab und leitete mit Herzblut während der nächsten sechs Jahre, in einer lebendigen, musikalisch und gesellschaftlich reichhaltigen Phase, den Männerchor Wolhusen. Jährliche Konzerte, Auftritte und Anlässe wechselten sich ab. Ein Höhepunkt war die sängerische Mitwirkung auf einer Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer. Weitere Reisen stärkten die Geselligkeit. 2014 aber sagte Ehrendirigentin Johanna Imbach-Wey endgültig adieu.


Weiter mit neuen Ideen

Dank guten Beziehungen des Präsidenten Joseph Thalmann gelang es bald, den neuen Dirigenten Heini Iten aus Luzern zu finden. Er ist pensionierter Musiklehrer der Mittelschulstufe und ausgebildeter Trompetensolist. Heini Iten fasste schnell Fuss bei den Männerchörlern und experimentierte bei seinen Konzerten mit neuen Arten des Zusammenspiels mit Solisten und Formationen. 


Viel Beachtung fanden zum Beispiel sein Querschnitt durch Operette und Musical, mit Franziska Dahinden und einem ad hoc Orchester oder sein "Russisches Tagebuch" mit dem stimmgewaltigen russischen Tenor Boris Petronje und einer Balalajka-Formation. Bei der Niederschrift dieser Zeilen steht das Jahreskonzert 2017 im Fokus, mit einem leichten Kurswechsel zurück zu traditionelleren Liedern, "die unter die Haut gehen", wie etwa La Montanara, Capri Fischer und weiteren.

(Stand September 2017)